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30 Jahre Gemeindevertreter - Ehrung für Ralph Jennes

Einen nicht alltäglichen Punkt gab es auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung der Gemeindevertretung.

 Ralph Jennes ist seit mittlerweile fast 30 Jahren Mitglied in der Gemeindevertretung. Anlaß, seine Mitarbeit entsprechend zu würdigen und ihm zu danken. 

Im folgenden die Laudatio des Bürgermeisters.

„Damals“ war es hier noch eine andere Welt, eine Welt, die gerade begann sich zu wandeln. Sandwege statt Asphaltstraßen zogen sich durch das Dorf, und die meisten Häuser hatten ein deutlich anderes Aussehen, als sie es heute haben. Wenn es sie überhaupt schon gab. „Damals“ endete die Welt noch hinter Utecht, und „damals“ gab es weder Mobilfunk (heute ja auch nicht wirklich), noch schnelles Internet (heute auch noch nicht), auch selten nur ein Telefon, und wenn, dann konnte niemand sicher sein, wer noch alles seine Ohren in der Leitung hatte, wie heute ja auch irgendwie. Also doch alles wie „damals“, oder eben doch eine neue, eine andere Welt? Es wurde eine neue Welt, eine Welt mit ganz anderen als den bislang gekannten Herausforderungen, eine Welt, die einerseits an Größe gewann und andererseits viele Probleme, nur eben im neuen Gewand, nicht löste. Trotzdem leben wir nicht im „früher-war-alles-besser-Land“, doch hat sich manches Gute aus genau dem Land bis in die heutige Welt gerettet. Jedenfalls hier, jedenfalls in Thandorf.

„Damals“ war 1989, das ein unruhiges Jahr gewesen ist, ein Jahr durchgreifender, nachhaltiger Veränderungen. Diese Veränderungen, ja dieses sich abzeichnende Umkrempeln des bisherigen Lebens, konnte nun jeder dem Zufall überlassen und sich später darüber wundern, was eigentlich passiert war, um dann kräftig darüber zu schimpfen und sich sein „früher-war-alles-besser-Land“ zurück zu wünschen – oder man konnte aktiv eingreifen und sich zum Ziel setzen, an der Gestaltung der neuen Welt mitzuwirken.

Ein junger Mann, noch nicht einmal Mitte 20 an Jahren, entschied sich in jenem Jahr für den zweiten Weg. Ob ihm das Wort von Oskar Wilde (Zitat) „Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden“ zu Ohren gekommen war, oder ob es einfach die jugendliche Neugier war, ist nicht überliefert. Auch für diesen jungen Mann aber, der zwar nicht hier geboren, doch die meiste Zeit seines noch jungen Lebens hier in Thandorf verbracht hatte, bedeutete das Jahr 1989 den vollständigen Umbruch alles Bisherigen und so entschied er sich, “die Sache mal mit in die Hand zu nehmen“. Für diesen Gedanken fand er das Vertrauen vieler Thandorfer.

Im Sommer dieses Jahres 1989 wurde Ralph Jennes zum ersten Mal in den Gemeinderat der Gemeinde Thandorf gewählt. Drei Jahrzehnte sind seitdem vergangen, Jahrzehnte, in denen die Welt „auf links gedreht“ wurde, Jahrzehnte, deren Jahre gefühlt immer schneller zu laufen schienen und Jahrzehnte, in denen Gegebenheiten eine immer geringere Halbwertzeit und Gültigkeit zu haben scheinen. Verlässlichkeit, Kontinuität und Verantwortungsbereitschaft sind abnehmende Handlungswerte, gerade darin bist du, Ralph, jedoch immer ein Anker und ein Fels in der Brandung gewesen. Unglaubliche dreißig Jahre lang hast du dich in der Gemeindevertretung ununterbrochen und bis heute für das Dorf und für seine Einwohner stark gemacht, die letzten 10 Jahre darüber hinaus zusätzlich auch als 2. Stellvertreter des Bürgermeisters.

Wenn Verlässlichkeit und Verantwortungsbereitschaft dich auszeichnende Eigenschaften sind, dann war Gelassenheit, lieber Ralph, demgegenüber nie deine vorrangige Stärke. Noch heute, das ist in unserem GV-Team ein geflügeltes Wort, siehst du hinter jeder Medieninformation den sofortigen Weltuntergang, mindestens aber den Untergang des Abendlandes. Gleichzeitig aber macht dich genau auch das aus, denn es verhindert Gleichgültigkeit, die zu meinem persönlichen Bedauern eine umfassende und zunehmend wahrnehmbare Eigenschaft in der Gesellschaft ist. Gleichgültigkeit ist das allerletzte, was man dir vorwerfen kann, und der Umkehrschluss von Gleichgültigkeit ist eben besonderes Engagement. Dieses Engagement durfte ich bis heute ein Drittel, also ein Jahrzehnt, deiner bisherigen Zeit in der Gemeindevertretung zusammen mit dir erleben, für jedes Jahr davon schulde ich dir meinen Respekt und meinen Dank, unseren Respekt und unseren Dank, den Respekt und den Dank der Menschen des Dorfes! An allen Entscheidungen, die in den vergangenen 30 Jahren für die Einwohner und für das Dorf getroffen wurden, hattest und hast bis heute du Anteil. Über die Jahre hast du Thandorf, wie es heute ist, mit geprägt und mit gestaltet, über alle Irrungen und Wirrungen der neuen Zeit hinweg. Aus dem kleinen, manchmal vergessenem Grenzort ist ein Dorf geworden, das seinen Einwohnern und Einwohnerinnen, alten wie jungen, heute ein lebenswertes und schönes Zuhause bietet, eben auch dank deiner. Immer kritisch, selten laut, immer vehement und immer engagiert brachtest du deine Sichtweise ein und hast geholfen, gute Entscheidungen des Gemeinderates herbei zu führen. Manches Mal bedurfte es, ich sage das augenzwinkernd, einiger Anstrengung, dich aus dem Szenario des Weltuntergangs zurück ins Dorf zu holen, doch halfen die Einlassungen immer, manchem Inhalt einen globalen Anstrich zu geben.

Fairness und Sachkenntnis zeichneten dich über all die Jahre zudem aus, alles zusammen gipfelt in einer Aussage: Die gemeinsame Arbeit mit Dir, Ralph, ist immer fruchtbar, zielführend und macht Freude!

Dabei waren jede Minute, jede Stunde, jeder Tag dieses Engagements für die Gemeinde eigentlich immer „nur nebenbei“, also ehrenamtlich. In der Hauptsache hast du dein Geschäft, deine Firma aufgebaut, die heute ein etabliertes Dienstleistungsunternehmen mit mehreren Angestellten ist und über die du dafür sorgst, dass es den Menschen im Winter warm ist und dass Wasser aus den Leitungen fließt. Wer kennt dich nicht, wenn du in deinem roten Arbeitsanzug durch das Dorf flitzt, um irgendwo irgendwas wieder instand zu setzen oder einzubauen. Das Gerücht, dass dieser rote Anzug auch dein Pyjama ist, hat sich zwar nicht bestätigt, ist aber auch noch nicht widerlegt worden. Manchmal schien es, als sei dir als erstem die Quadratur des Kreises gelungen, Ralph!

Bei allem Blick in die Vergangenheit rufe ich nun aber auch die Zukunft auf. „Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden“, dafür wünsche ich dir auch in den kommenden Jahren den richtigen Blick. Doch nicht nur um das Erkennen der Möglichkeiten geht es, sondern auch um das Erkennen von Gefahren. Das, lieber Ralph, möchte ich dir zusätzlich und ganz besonders ans Herz legen, ich zitiere dafür aus dem Gedicht „Meine Seele hat es eilig“ des brasilianischen Essayisten Mario de Andrade, der von 1893 – 1945 in Sao Paolo lebte:

  • „Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
    Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat:
    Die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es sie wirklich zu genießen. (….)
    Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren.
    Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viel Süßigkeiten in der Packung. (…)
    Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. (…)
    Wir haben zwei Leben, und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eines hast.“

Deine wunderbare Frau Konstanze, ohne deren Unterstützung du deinen Weg nie hättest gehen können, sowie deine Kinder und nun auch dein Enkel möchten viel Zeit mit dir verbringen, auch unser schönes Thandorf und die Menschen hier möchten noch viele Jahre deinen Rat und eine Unterstützung. Da mögen ein kleines Mehr an Gelassenheit, ein kleines Mehr an innerer Ruhe manches Mal die Mittel der Wahl sein!

Einen Augenblick des „weg aus dem Alltag“ haben wir nun für dich vorbereitet, damit bedankt sich die Gemeinde, damit bedanken wir als GV-Team uns und damit bedanke ich mich für dein ehrenamtliches Engagement. Bei einer guten Flasche Rotwein sollst du nun mit deiner Konstanze mal schmökern in den Möglichkeiten eines schönen Konzertes, eines Musicals oder einer Theateraufführung - dann nimm unseren Gutschein für die Eintrittskarten in die Hand und genieße, was du dir verdient hast!

Doch damit nicht genug: Das Nachbohren und ein paar freundliche Tritte gegen das Schienbein haben dazu geführt, dass auch über Thandorf hinaus deinem besonderen Jubiläum Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Deshalb überreiche ich dir, lieber Ralph, jetzt für 30 Jahre ununterbrochene ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeindevertretung, zusammen mit der dazugehörigen Ehrennadel, die Urkunde des Städte- und Gemeindetages.

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Andreas Spiewack, Ralph Jennes, Wolfgang Reetz

 

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